Sage und Ursprung

Unsere Geschichte

Vom schwarzen Hund auf der Burgruine, einem Fuhrwerk in mondloser Nacht – und davon, wie aus einer Sage des Renchtals ein Fasentverein wurde.

Startseite›Unsere Geschichte

Wie alles begann

Die Teufel vom Fürsteneck

Einst lebten auf der Burg Fürsteneck, zwischen Bottenau und Butschbach, kühne Ritter und schöne Burgfräulein, Knechte, Mägde und Hofnarren. Von der ehemals mächtigen Burg stehen nur noch einige Steine. Doch ihre einstigen Bewohner spuken noch immer und machen sich auf geheimnisvolle Weise bemerkbar: Wenn gelegentlich ein unsichtbares Fuhrwerk von der Burg nach Butschbach saust, hinterlässt es lediglich ein elendes Wehklagen.

Eine alte Sage berichtet außerdem von einem schwarzen Hund, der in einem versteckten Loch sitzt und dort unschätzbare Kostbarkeiten bewacht. Dieser Hund wurde schon vor langer Zeit als Metamorphose des Teufels erkannt. Noch heute berichten Spaziergänger, dass sie sogar mehrere schwarze Hunde mit eigenen Augen auf dem Fürsteneck gesehen und gehört haben.

Diesen geheimnisvollen Phänomenen gingen einige Oberkircher nach und beauftragten ein ganzes Forscherteam, die letzte Wahrheit um die Burg Fürsteneck zu ergründen. Tatsächlich wurde nachgewiesen, dass die Burg einstmals ein beliebter Treffpunkt für Teufelsgestalten war, die als „Notir“ von einer vereinsinternen Forschungsgruppe identifiziert wurden. Diese menschenähnlichen Wesen mit einer Teufelsfratze sind seit dem Mittelalter immer mehr in Vergessenheit geraten. Nun wollten die Oberkircher Heimatforscher diesen einstigen Bewohnern des Renchtals ihre Reverenz erweisen und gründeten die alemannische Fasentrotte Notir auf Fürsteneck e.V.

Notir in vollem Häs mit Maske bei einem Umzug

Vom Fund zum Häs

Intensive Ausgrabungen, das Studieren alter Literatur und das Durchstöbern uralter Akten in verschiedenen Regionalarchiven ermöglichten dem Verein schließlich, ein dem Original sehr nahes Notir-Häs zu entwerfen. Außerdem wurde eine Maske kreiert, die die Gesichter der Fürstenecker Teufel wiedergibt – für die Zähne wurden sogar die bei den Ausgrabungen aufgefundenen Wildschweinzähne verwendet.

Die Farben des aus dreieckigen Filzflicken gefertigten Häs – dreieckig für Teufel, Schatz und Fuhrwerk – wurden aus den typischen Farben des umgebenden Waldes gewählt: verschiedene Grün- und Brauntöne, durchsetzt von feuerroten Fetzen.

„Und ein Heer von Teufelsfratzen tanzt in Flammen braun und grün.“ Aus dem alten Butschbacher Volkslied

Mehr als ein Teufelspack

Notglocken statt Narrenglocken

Die Mitglieder sehen sich jedoch nicht nur als Teufelspack, sondern wollen durch aktive Teilnahme an Umzügen und Fasentveranstaltungen zur Vielfalt und Lebendigkeit der Fasentskultur beitragen. Die Vermittlung heimischer Bräuche im alemannischen Kulturraum ist den Notiren ein wichtiges Anliegen.

Die Verbundenheit zur badisch-alemannischen Fasent bringen die Notire durch das Tragen der badischen Farben Gelb und Rot an ihren Oberarmpuffern zum Ausdruck. Als weiteres Attribut befinden sich Glöckchen unterschiedlicher Größe am Häs – die aber nicht mit den Narrenglocken verwechselt werden dürfen, wie sie etwa die traditionellen Oberkircher Fasentsgruppen Schnurris und Narros tragen. Bei den Notiren handelt es sich nämlich um sogenannte Notglocken, deren Läuten ein Unheilsignal bedeutet und meist ein Notgeschrei auslöst. „Der Teufel alle Not machte“, heißt es schon bei Martin Luther – das legt die Vermutung nahe, dass auch die Notire als „Notknechte des Satans“ die Menschen nötigen.

Selbstverständlich sind die Heimatforscher auch dem Geheimnis des unbekannten Fuhrwerks ein entscheidendes Stück näher gekommen. So wurde unter Berücksichtigung historischer Baupläne ein Schlitten rekonstruiert, der bei Umzügen von den Notiren mitgezogen wird. Und nicht zuletzt wird der Öffentlichkeit erstmals ein Blick auf den mysteriösen Schatz gewährt, den die Teufelsrotte auf ihrem Schlitten mit sich führt.

Unser Häs im Detail Der Notirwagen

Das Original

Die Notirsage

Zwei überlieferte Sagen aus dem Renchtal bilden die Grundlage unseres Vereins.

Der schwarze Hund auf der Burg Fürsteneck

Die erste Sage erzählt von einem verborgenen Loch in der Burgruine, das bis heute nur wenige gefunden haben. Wer hineinblickte, sah in der Tiefe einen schwarzen Hund – sitzend auf Kisten und Fässern voller Kostbarkeiten. Die Leute erzählen, es sei der Teufel selbst, der in Gestalt eines Hundes über den Schatz wacht.

Von hier kommen die beiden Dinge, die unsere Gruppe prägen: die Teufelsfratze im Gesicht und der Schatz, den wir auf unserem Wagen mit uns führen. Und daher auch unser Schlachtruf: „Uff’d Kischd hock druff – uff de Schatz bass uff!“

Das geheimnisvolle Fuhrwerk

Die zweite Sage spielt in einem steilen Hohlweg, der das Bottenauer Tal mit Butschbach verbindet. Dort sahen die Bauern der Umgebung in dunklen Neumondnächten ein Fuhrwerk, das in rasender Fahrt den Hohlweg hinabjagte und plötzlich verschwand – zurück blieb, in den Worten der Überlieferung, nur „ein Heulen und Wehen“.

Nach dieser Sage haben wir 1994 unseren ersten Wagen gebaut – siehe Notirwagen.

Nacherzählt nach: Willi Keller, „Sagen des Renchtals“, Seite 157.

Närrisch gesungen

Schlachtruf und Notirlied

Kein Umzug ohne unseren Schlachtruf – und kein Hock ohne das Notirlied, dessen Refrain spätestens nach dem zweiten Durchgang die ganze Halle mitsingt.

Refrain des Notirlieds